Der Tag der Regional- und Heimatgeschichte fand im Kulturforum Hellersdorf statt, Gemeinsam veranstaltet mit dem Kulturring Berlin e.V.
Als Gäste konnten begrüßt werden: Petra Pau, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Bürgermeisterin Damar Pohle, die Bezirksstadträte Stefan Komoß und Norbert Lüdtke, Petra Wermke, Vorsteherin der BVV, Gabi Hiller, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ute Thomas, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport, Frank Beiersdorff, Vorsitzender des Ausschusses für Natur und Umwelt.

Interessiertes Publikum  Unter der Gästen: Petra Pau  Dagmar Pohle, Stefan Komoß  

Wolfgang Brauer begrüßt die Gäste

Der „Tag der Regional- und Heimatgeschichte“ zählte auch 2007 zu den Höhepunkten der Vereinsarbeit. Er fand am 18. November zum Thema „Marzahn-Hellersdorf – ein kulturgeschichtliches Kaleidoskop“ statt. 2007 hatte uns der Kulturring in Berlin e. V. dafür nicht nur wieder seinen Saal im Kulturforum Hellersdorf zur Verfügung gestellt, sondern wir haben den „Tag der Regional- und Heimatgeschichte“ – angesichts des Themas naheliegend – gemeinsam veranstaltet. Der Heimatverein bedankt sich sehr herzlich beim Kulturring für die vielfältige Unterstützung, einschließlich der Sorge um das leibliche Wohl der zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die inhaltliche Vorbereitung seitens des Heimatvereins lag dieses Mal vor allem in den Händen unseres Vorsitzenden Wolfgang Brauer, der auch unterhaltsam und kenntnisreich durch den Tag führte. Schatzmeister Rainer Rau kümmerte sich wieder um die organisatorische Vorbereitung und Durchführung. Die Einladungen gestaltete erneut Waldemar Seifert.

Mit den Beiträgen der Referentinnen und Referenten wurden mehr als 300 Jahre Kulturgeschichte durchschritten und zahlreicher Künstlerinnen und Künstler, die in unserem Bezirk gelebt haben, gedacht.

Harald Kintscher bot unter dem Titel „…schließlich wurde das Haus am Hultschiner Damm… mein ersehnter Traum“ einen Überblick über Leben und Wirken von 26 Künstlerinnen und Künstlern, die in den letzten 100 Jahren im Bezirk ihre Spuren hinterlassen haben. Er spannte den Bogen vom „Weinpoeten“ Karl Kohlis über den Heimatdichter Paul Großmann und den Schriftsteller Ernst Edler von der Planitz bis zu den Künstlerinnen und Künstlern, die zu DDR-Zeiten zahlreich in unseren „Dörfern“ lebten und wirkten, wie Ludwig Renn, Kurt Schwaen, Willi Moese, Jurek Becker und Rudi Strahl, um nur die bekanntesten zu nennen. Vieles gibt es noch zu erforschen, mancher Künstler und vor allem manche Künstlerin muss noch der Vergessenheit entrissen werden.

Ins 17. Jahrhundert zurück führte der Beitrag von Christa Hübner. Sie behandelte mit Friedrich von der Canitz, dem Besitzer von Hellersdorf, den ersten weltlichen Dichter der Mark. In seinen Gedichten übte Canitz Kritik am Hofleben und stellte diesem ein idealisiertes Bild vom Landleben gegenüber.

Karin Satke erinnerte an den Kaulsdorfer Künstler Hans Füssel, der Bildhauer, Metallgießer und Poet in einer Person war. Hans Füssel hat nach 1945 beim Wiederaufbau Berlins an vielen Stellen seine Spuren hinterlassen, z.B. bei der Reparatur des Neptunbrunnens und an Brückengeländern, aber auch bei der Gestaltung von Gedenktafeln.

Karl- Heinz Gärtner ging in seinem Beitrag „Sie waren keine Kultur-Banausen… – Von den Anfängen kulturellen Lebens in den Dörfern von Marzahn-Hellersdorf“ vor allem der Frage nach, welche Bedeutung Dorfkrüge, Ausflugsgaststätten, Dorfgastsäle für Kunst und Künstler hatten. Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts gab es immerhin 36 Säle in Gaststätten, die für die unterschiedlichsten Veranstaltungen genutzt wurden und auch Vereinstreffpunkte darstellten. Gaststätten bildeten somit nicht nur einen Mittelpunkt für Geselligkeit, sondern auch Raum für Künstlerisches und Kulturelles.

Rainer Rau zeichnete den Lebensweg Eduard von Wintersteins, einem der bedeutendsten deutschen Schauspieler des 20. Jahrhunderts, nach, dessen künstlerische Karriere ihn nach vielen Stationen auch nach Berlin, ans Deutsche Theater, geführt hatte. Nach 1945 lebte er lange Jahre in Biesdorf; die Erinnerung an ihn ist noch lebendig.

Maria Moese sprach zu Jurek Becker als „Schriftstellerfreund“, der eng mit ihr und ihrem verstorbenen Mann Willy Moese verbunden war. Sie berichtete über persönliche Begegnungen mit dem Schriftsteller und Drehbuchautoren, ließ ihn auch selbst mit seinen Texten zu Wort kommen.
Jutta Hufenreuter musste ihren Beitrag leider „In memoriam Kurt Schwaen“ nennen, war doch der in Mahlsdorf lebende Komponist kurz zuvor verstorben. Kurt Schwaen war einer der bekanntesten und bedeutendsten Komponisten der DDR und auch nach der Wende aktiv. Noch im hohen Alter komponierte er, hielt vielfältige Kontakte zu Chören und Orchestern und war im öffentlichen Leben präsent.

Hans Hübner hat mit dem Katalanen Josep Renau einen Künstler, der zeitweilig in Mahlsdorf gelebt hat, der hiesigen Vergessenheit entrissen. Der Maler und Illustrator Renau hatte sich die DDR als Ort für sein durch Franco erzwungenes Exil gewählt. Er hinterließ farbenfrohe und optimistische Wandgemälde an einigen Gebäuden im Osten Deutschlands sowie zahlreiche Bilder, Plakate und Illustrationen.

Klaus Jaschinski gab abschließend einen Überblick über „Kulturarbeit und Kulturbund im Stadtbezirk Berlin-Marzahn (1979 - 1989/90)“. Kulturelle Aktivitäten hatte es schon vor der Entstehung des Bezirkes Marzahn gegeben. Mit dessen Gründung 1979 nahm auch die Kreisorganisation des Kulturbundes ihre Arbeit auf. Fachgruppen gründeten sich, Vorträge und Forschungen befassten sich mit Heimatgeschichte, Natur und Umwelt sowie politischen Fragen. Der Bau von „Klubs der Werktätigen“ wurde geplant und teilweise umgesetzt. „Tage der Volkskunst“ und seit 1986 ein „Tag der Heimatgeschichte“ fanden statt.

Wie auf den vergangenen „Tagen der Regional- und Heimatgeschichte“ waren auch 2007 zahlreiche Gäste vertreten. Begrüßen konnten wir u.a. die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, unser Vereinsmitglied Petra Pau, und die Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle.

Referentinnen und Referenten

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Petra Wermke, Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung und Vereinsmitglied, bedankte sich bei den Mitgliedern des Heimatvereins für die geleistete Arbeit und bat um weitere Anregungen und Unterstützung für ihre Tätigkeit.
 
 
Der Bezirksstadtrat für ökologische Stadtentwicklung Norbert Lüdtke, ebenfalls Mitglied im Heimatverein, entnahm dem Verlauf der Tagung, dass es viele der Künstlerinnen und Künstler, die im Bezirk lebten und wirkten, „verdient“ haben, dass ihrer im öffentlichen Raum gedacht wird. So machte er den Vorschlag, zur Erinnerung an Kurt Goldstein den noch zu gestaltenden Teil des Parks am U-Bahnhof Hellersdorf nach ihm zu benennen. Gemeinsam müsse überlegt werden, welche weiteren Formen der Erinnerung und Würdigung notwendig und möglich sind.    

Stefan Komoß, Bezirksstadtrat für Bildung, Kultur und Sport, übermittelte die Grußworte des Bezirksamtes. Er wies der Regional- und Heimatgeschichte einen hohen Stellenwert für den relativ jungen Bezirk zu, der oftmals als geschichtslos betrachtet werde. Daher müsse man deutlich machen, dass die Region eine lange Geschichte und Tradition besitzt. Herr Komoß äußerte die Erwartung, dass heimatgeschichtliche Themen nicht nur im Kreis von Fachleuten zur Kenntnis genommen werden.

Der Vorstand des Heimatvereins dankt allen Beteiligten, die zum guten Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Auch die Ergebnisse des „Tages der Regional- und Heimatgeschichte“ 2007 sollen in einem Heft unserer Reihe „Beiträge zur Regionalgeschichte“ zusammengefasst werden.

Fotos: R. Schilling, Text: Ch. Hübner, R. Schilling