Prof. Eisentraut, Wolfgang Brauer

Am 18.11.2006 fand im Kulturforum Hellersdorf der diesjährige „Tag der Regional- und Heimatgeschichte“, veranstaltet vom Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e. V., statt.
Das Thema „Gedenk- und Erinnerungsorte im Bezirk“ wurde von den Referentinnen und Referenten auf sehr unterschiedliche und vielfältige Weise behandelt.

Wolfgang Brauer, der Vorsitzende des Heimatvereins, begrüßte die Anwesenden, unter ihnen Petra Wermke, Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung, Dr. Heinrich Niemann, Stadtrat a.D. und Norbert Lüdtke, neugewählter Bezirksstadtrat.
W. Brauer betonte in seiner einführenden Rede, dass im Rahmen der Veranstaltung sowohl Orte privaten Gedenkens, wie Friedhöfe, als auch öffentliche Formen des Gedenkens behandelt werden. Nur scheinbar sei es für den Bezirk ein Thema von nicht so großer Bedeutsamkeit, nehmen doch die Friedhöfe mit 38 ha eine vergleichsweise kleine Fläche ein.

Dr. Martin Schönfeld sprach über ausgewählte Formen des öffentlichen Gedenkens in Berlin seit 1945, besonders seit der Wende 1989/90, auch mit Beispielen aus unserem Bezirk. Er behandelte Handlungsmodelle von öffentlicher Erinnerung, Formen der Erinnerung, wie Objekte, Symbole und Rituale, Denkmale, Gedenktafeln, Motive für öffentliches Gedenken und ihre Rezeption. Dr. Schönfeld verwies darüber hinaus auf Beispiele für neue Wege des Gedenkens im öffentlichen Raum, neben weniger bekannten, wie die Erinnerung an jüdisches Leben im Bayerischen Viertel, nannte er das Denkmal für die ermordeten europäischen Juden in Berlin. Neue Wege werden auch mit der Aktion Stolpersteine eingeschlagen.

Jens Rieser stellte in seinem Beitrag die unterschiedlichen Erinnerungssteine und Gedenkorte auf dem Parkfriedhof Marzahn vor, wie das Ehrenmahl für die gefallenen sowjetischen Soldaten, die Gedenkstätte für Sinti und Roma, den Gedenkort für die Russlanddeutschen, die Stele für ZwangsarbeiterInnen, den Gedenkstein für junge polnische Zwangsarbeiterinnen. Diese und andere Erinnerungssteine und –plätze machen den Parkfriedhof Marzahn zu einem besonderen Ort des Gedenkens sowohl privatem als auch öffentlichem.

Karl-Heinz Gärtner erinnerte an den alten „Biesdorfer Gemeindefriedhof“, von dem nur noch Reste erhalten sind, da er schon seit 1898 nicht mehr genutzt wurde. Seine Lage ist kaum noch erkennbar, da spätere Straßenführungen über ihn hinweg gegangen sind. Die Beschäftigung mit Lage und Geschichte dieses nicht mehr vorhandenen Friedhofs kann Auskunft geben über alte Biesdorfer Familien. K.-H. Gärtner schlug vor, in Form einer Erinnerungstafel an den Standort des ehemaligen Biesdorfer Gemeindefriedhofs zu erinnern.

Dr. Niemann dankte in seiner Rede den Mitgliedern des Heimatvereins für die gute Zusammenarbeit. Einiges, was im Bezirk zum Gedenken und zur Erinnerung beiträgt, ist vom Heimatverein initiiert oder umgesetzt worden, wie z. B. die Mitwirkung von Vereinsmitgliedern an den beiden ersten Teilen der Dauerausstellung, die Benennungen des Graffunder-Parkes und des Viktor-Klemperer-Platzes, die Zusammentragung von Erinnerungen an den 60. Jahrestag der Befreiung, die Aufstellung der Stele zur Erinnerung an die ZwangsarbeiterInnen und vieles mehr. Dr. Niemann informierte darüber, dass im Bezirksamt eine Kommission „Gedenkorte“ gebildet wurde, in der auch der Heimatverein mitarbeitet.

Karin Satke sprach über „Gedenk- und Erinnerungsorte“ in Kaulsdorf, wie Gedenktafeln aus unterschiedlichen Zeiten. Sie sprach über die Geschichte des ehemaligen Denkmals für die Gefallenen aus dem 1. Weltkrieg und über die des ehemaligen Friedhofs an der Kaulsdorfer Kirche und in der Brodauer Straße.

Harald Kintscher informierte über „Gedenk- und Erinnerungsorte“ in Mahlsdorf: Gedenkorte, wie Friedhöfe, Straßennamen und Gebäude. Er verwies mit Beispielen auf die bestehenden Formen und Orte der Erinnerung und des Gedenkens an historische Persönlichkeiten und Ereignisse, er machte aber auch auf Defizite aufmerksam und unterbreitete Vorschläge, was und wie Veränderungen möglich sind.

Pfarrer Ingolf Göbel lud zu einem Spaziergang über den ehemaligen Marzahner Friedhof an der Landsberger Allee ein. Dieser Friedhof hat eine relativ kurze Geschichte, von 1893 bis 1984. Auch dieses Beispiel zeigt, daß Friedhöfe nicht nur Orte des privaten Gedenkens, sondern auch für die regionale Geschichte von Bedeutung sind.

Prof. Wolf-R. Eisentraut, der unterhaltsam und kenntnisreich durch den Tag geführt hatte, dankte den Referentinnen und Referenten und betonte, dass es noch viel zu erforschen und zu erinnern gibt in unserem Bezirk. Auch im nächsten Jahr wird im November wieder ein „Tag der Regional- und Heimatgeschichte“ stattfinden und sich der Geschichte von Kultur und Künstlern im Bezirk widmen.

Norbert Lüdtke, Petra Wermke, Dr. Niemann

Schlußfolgerungen und Aufgaben

Renate Schilling
Christa Hübner